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Mythos Babyschlaf

Rund um den Babyschlaf ranken sich zahlreiche Mythen. Um das Schlafverhalten von Babys besser zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit unabdingbar. Bereits in der Steinzeit benötigten Babys engen Körperkontakt zu Erwachsenen, um überleben zu können.

 

Der Verlust dieses Kontakts setzte sie der Gefahr durch gefährliche Tiere, Unterkühlung oder Vergessenwerden aus. Daher suchen Babys instinktiv ständig nach Nähe. Diese Neigung ist tief in unseren Genen verankert. 

 

Wenn wir heute unsere Babys mit Steinzeitbabys austauschen würden, wäre im Verhalten kaum ein Unterschied feststellbar. Ein Baby, das allein in einem Babybettchen schlummert, empfindet daher durchaus Unsicherheit. Es ist sich nicht bewusst, dass es sicher im Bett liegt und keine Gefahr droht. Über viele Jahrhunderte hinweg wurden Säuglinge immer von Eltern oder engen Bezugspersonen getragen. Die heutige Praxis, Säuglinge stundenlang allein in einem Bettchen liegen zu lassen, ist eine Auswirkung der Industrialisierungszeit.

 

Wir alle durchlaufen Schlafzyklen. Erwachsene wechseln etwa alle 2 Stunden zwischen Tief-schlaf und oberflächlichem Schlaf. Babys hingegen wechseln alle 30 bis 45 Minuten ihre Schlafzyklen. Dies führt dazu, dass manche Babys nach einer halben Stunde aufwachen und erneut Begleitung benötigen, um in einen neuen Schlafzyklus zu gelangen.

 

Man erkennt, dass ein Baby müde ist, indem auf individuelle Anzeichen geachtet wird. Es kann mitunter schwierig sein, den genauen Zeitpunkt zu erfassen. Wird die Einschlafbegleitung zu früh begonnen, benötigt das Baby oft viel Zeit, um einzuschlafen. Beginnt man zu spät, ist das Baby bereits übermüdet und findet ebenfalls schwer in den Schlaf. Durch genaue Beobachtung lassen sich jedoch einige Anzeichen feststellen, die darauf hinweisen können, dass das Baby müde ist. Dazu zählen beispielsweise das Reiben der Augen, das An-fassen der Ohren, Quengeln, Gähnen, ein glasiger Blick, das Starren ins Leere, Überstrecken oder ein erhöhtes Bedürfnis nach Nähe.

 

Das Schlafverhalten in den ersten Lebensmonaten variiert sehr stark. Manche Babys schlafen in diesem Alter recht lange und viel, während einige Babys kurze Schlafphasen bevorzugen. Zwischen dem 6. und 12. Monat ändert sich das Schlafverhalten erheblich. In dieser Zeit wachen viele Babys häufiger auf. Mögliche Gründe hierfür könnten eine Veränderung des Schlafverhaltens, motorische Entwicklungsschritte, Zahnen, Krankheit, Fremdeln oder Trennungsängste sein. Das nächtliche Aufwachen wird in diesem Alter oft als belastend empfunden. 

 

Es gibt verschiedene Mythen rund um den Babyschlaf, die es lohnt zu überdenken. Ein verbreiteter Irrglaube besagt, dass Babys ab dem 6. Monat keine Nahrung mehr benötigen. In der Realität ist der Hunger- und Durstbedarf bei Babys äußerst individuell. Die Bedürfnisse können von Kind zu Kind variieren, daher ist es wichtig auf die individuellen Signale des Babys zu achten. 

 

Ein weiterer Mythos besagt, dass ein Kind wach hingelegt werden sollte, damit es allein ein-schlafen lernt. Diese Annahme ist nicht korrekt. Die Fähigkeit, allein einzuschlafen, entwickelt sich, wenn die kindliche Schlafentwicklung ausgereift ist. Es ist wichtig, die Bedürfnisse des Babys zu respektieren und keinen unnötigen Druck auszuüben.

 

Ebenso wird oft der Vorschlag gemacht, den Mittagsschlaf ausfallen zu lassen, damit Babys besser in der Nacht schlafen. Dieser Mythos ist ebenfalls nichtzutreffend. Übermüdete Babys haben oft Schwierigkeiten beim Einschlafen und wachen häufiger auf. Der Mittagsschlaf ist wichtig für die Erholung des Babys, und ausreichender Schlaf tagsüber kann dazu beitragen, dass das Baby nachts besser schläft. Daher ist es ratsam, sich nicht von diesem Mythos leiten zu lassen und auf die natürlichen Bedürfnisse des Babys einzugehen.

 

Es ist von Bedeutung, die Bedürfnisse des Babys zu erkennen und darauf zu reagieren. Das Weinen des Babys signalisiert ein Bedürfnis, dem Beachtung geschenkt werden sollte. Die Berücksichtigung dieser Bedürfnisse kann das Vertrauen zwischen Eltern und Kind fördern und hat einen positiven Einfluss auf die kindliche Entwicklung.

 

Die Befürchtung, dass ein Kind, welches im Familienbett schläft, nicht den Übergang ins eigene Bett schaffen wird, erweist sich als Mythos. Die Schlafarrangements können sich im Laufe der Zeit verändern, und es ist möglich, das Kind später an das Schlafen in einem ei-genständigen Bett zu gewöhnen. Dabei ist es wichtig, behutsame Übergänge zu schaffen und auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Die Art des Schlafens kann von Familie zu Familie variieren, ohne dass es eine festgelegte Regel für alle gibt. Schlussendlich ist es entscheidend, dass die Schlafumgebung für alle Familienmitglieder sicher und behaglich ist.

 

Es ist essenziell, auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Babys einzugehen und sich nicht an starren Regeln oder Mythen zu orientieren. Jedes Kind ist einzigartig, und Eltern sollten ihre Aufmerksamkeit auf die individuellen Signale und Bedürfnisse ihres Babys richten.

 

von Birgit Berndt, Bakk.

 

 

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